Christine Stadler

Sie war eine der herausragendsten Künstlerinnen für christliche Werke in Deutschland: die gebürtige Eggstätterin Christine Stadler. Die Bildhauerin und Keramikerin wurde 1922 in Eggstätt geboren und starb im Jahr 2000. Sie wurde auf dem Friedhof in Eggstätt beigesetzt.

Christine Stadler - die wilde Christl

26.10.1922          geboren in Eggstätt

1946 – 48            Kunstschule Prien a.Ch. bei Maxon & Marianne Lüdicke

1948 – 50            Bildhauer-Lehre, München bei O. Weber Hartl

1950 – 56            Akademie der bildenden Künste, München

Meisterschülerin bei Prof. Anton Hiller

23.09.2000      gestorben, Prien a.Ch.

Leben und Karriere

Sie war ein Armeleute-Kind, die älteste Schwester von drei Brüdern. Der Vater war ein fahrender Musikant, im Dorf nicht gerade hochgeachtet. Für die Bauern war Musizieren keine ‚anständige Arbeit‘. Die Mutter verdingte sich als Köchin und Wäscherin in der nahen und ferneren Nachbarschaft. (…) Irgendeinmal im Religionsunterricht hat sie gehört, wie Gott den Adam erschaffen hat. Ihrem Vetter, Prof. Dr. Peter Stockmeier, verdanken wir die Information, dass sie danach am Dorfrand Lehm gesucht und ihren ersten Menschen nach dem Vorbild Gottes geformt hat. Ansonsten muss sie [Christine Stadler] nicht gerade ein Engel gewesen sein – nicht nur ihre Eltern nannten sie die ‚wilde Christl‘.“ (aus: „Kreuz und Kreatur“, Verlag Schnell & Steiner, 1996)

Preise und Auszeichnungen

„In den Werken von Christine Stadler wird mannigfacher Dialog sichtbar: der geschwisterliche Dialog mit der Kreatur, der Dialog mit Mensch, Zeit und Geschichte, der Dialog mit Gott, der im Gekreuzigten und Auferstandenen sich endgültig uns zugesagt hat und dem wir antworten im Gebet, auch im gestaltgewordenen Gebet des Kunstwerks.“ (aus: Vorwort von Abt Odilo Lechner OSB in „Christine Stadler. Leben und Werk“)

Der Bronzeguss

„Neben Stein, Steinguss und Holz bildet die Bronze das bei weitem häufigste von Christine Stadler verwendete Material. (…) Bronze besteht aus einer metallischen Legierung, die sich in der Hauptsache aus Kupfer und Zinn zusammensetzt.

(…) die bis heute am weitesten verbreitete Technik zur Herstellung von Bronzeplastiken ist das sogenannte Wachsausschmelzverfahren.“

Für größere Figuren bediente sich Christine Stadler dem sogenannten Hohlguss. Dabei wird ein Modell mit feuerfestem Kern entwickelt, auf das sorgsam ein Wachsmantel aufmodelliert wird. Mit sehr weichem Gips oder Ton wird ein zweiter Formmantel um das Modell gelegt und mit zahlreichen Stiften mit dem Modellkern verbunden. Durch Erhitzen schmilzt das Wachs und es entsteht eine Hohlform für den späteren Bronzeguss. Wenn dieser Guss dann erkaltet ist, wird der Formmantel abgeschlagen und der innere Kern durch dafür vorgesehene Öffnungen entfernt.

Bei der Bearbeitung des Bronzerohlings legte Chrstine Stadler auch selbst Hand an. Durch Polieren, Schleifen, Patinieren, Vergolden oder Inkrustieren kann die Gusshaut nachbehandelt und so verändert werden. (aus: „Kreuz und Kreatur“, Verlag Schnell & Steiner, 1996)

Christine Stadler - Rundweg

Sie wollen mehr über die Künstlerin und die Stationen des Stadlerrundwegs in Eggstätt erfahren? Dann begeben Sie sich auf die Spuren von Christine Stadler und erkunden Sie auf den 13 Stationen den Christine Stadler - Rundweg durch Eggstätt.

1. Vier Europäer, Rathaus

Das Kunstwerk aus Bronze zeigt die vier europäischen Staatenlenker Konrad Adenauer (Bundeskanzler 1949 – 1963, links oben), Winston Churchill (englischer Premierminister 1940 – 1945 und 1951 – 1955, rechts oben), Alcide de Gasperi (italienischer Ministerpräsident 1945 – 1953; links unten) und Robert Schumann (französischer Ministerpräsident 1947 – 1948 und französischer Außenminister 1948 – 1953; links unten).

2. Hund und Katze, Haus des Gastes

Werk und Wesen der Bildhauerin können nicht „psychologisiert“ werden – und doch ist unverkennbar, dass sich unter ihren Tierplastiken kein typisches Raubtier findet (…). Tiere, auch in ihrer künstlerischen Verarbeitung, sind für Christine Stadler beseelte Kreaturen, Geschöpfe Gottes. (aus: Kreuz und Kreatur. Verlag Schnell & Steiner. Regensburg, 1996)

3 Eulenfamilie, Haus des Gastes

Eulen spielen im Werk von Christine Stadler eine besondere Rolle. Sie fertigte sie zunächst um 1955 aus Holz an, ab 1960 dann auch in Bronze. (aus: Christine Stadler. Leben und Werk. Berhard-Theodor Wolf OSB)

 

4. Heilige Monika, Bücherei

Die Heilige Monika (eigentlich: Heilige Monika von Tagaste) war die Mutter des heiligen Augustinus und gilt als Schutzpatronin der Frauen und Mütter.

5 Flamme, Parkplatz Kirche

In Dreierzahl einander zu- und übergeordnet, wie Flammen nach oben züngelnd, sind sie behütet gleich einem Maiskolben von den bergenden Schalenblättern: Früchte des Geistes (…). Ein modernes Meditationsbild  bietet sich dem aufmerksamen Betrachter dar, das dem Auge des Glaubens das Geheimnis innergöttlichen Lebens tiefer erschließen kann. (aus: Schöpfung und Erlösung, Bernhard-Theodor Wolf)

6. Pietà, Pfarrkirche St. Georg

Maria hält ihren toten Sohn, unserem Herrn und Heiland, in Ihren Armen und bildet mit ihm zusammen die Gestalt eines Kreuzes. Sie hält uns den vor Augen, der alles Leid überwunden und damit den Weg zum endgültigen Heil eröffnet hat. (…) Sie selbst bleibt im Hintergrund wie immer. Nur „Monstranz“ will sie sein. So wird sie zum Urbild der „Mutter Kirche“. (aus: Schöpfung und Erlösung, Bernhard-Theodor Wolf)

7. St. Georg, kirchlicher Friedhof

Die Brunnenplastik aus Bronze zeigt den Namenspatron der Pfarrkirche, wie er mit einer Lanze den Drachen tötet.

8. Grabstelle von Christine Stadler, kirchlicher Friedhof

Christine Stadler verstarb am 23. September 2000 an den Folgen eines Schlaganfalles.

Beim Jahresgedächtnisgottesdienst 2001 in der Eggstätter Pfarrkirche gab der Priester in seiner Ansprache noch einmal eine kurze Rückschau auf das Leben von Christine Stadler und sagte dabei abschließend: „Etwas mehr Licht in den verborgenen Quellgrund ihres künstlerischen Schaffens mag die folgende kleine Begebenheit bringen, die sich etwa zwei Jahre vor ihrem Hinscheiden in Prien zutrug. Ich hatte sie damals um ihre Begleitung gebeten, als der Kreuzweg St. Salvator, den sie im Auftrag der Gemeinde Prien geschaffen hatte, für eine Meditation fotografiert werden sollte. Wir steigen gemeinsam bergan und ich merkte bald, dass ihr das eigene Kreuz mit ihren Bandscheibenproblemen wieder sehr zu schaffen machte. Als ich ihr den wohlgemeinten Rat gab, doch den steiler werdenden Weg nicht weiter mit zu gehen und auf einer der Bänke meine Rückkehr abzuwarten, da sagte sie mit entschiedenem Ton: Unser Herrgott konnte sich auf seinem Kreuzweg auch nicht ausruhen – und sie fügte in ihrer resoluten Art hinzu: Also gehen wir weiter!“ (aus: Christine Stadler. Leben und Werk. Berhard-Theodor Wolf OSB)

9. Gegenüber mit Eulen, Birner Garten

In machen Jahren ihres Schaffens hat sie (Christine Stadler) fast gleichzeitig an großen Aufträgen gearbeitet, wobei man sich fragt, wie sie das überhaupt schaffen konnte. Sicher gab es auch Zeiten der Erschöpfung ihrer künstlerischen Schaffenskraft. Dann war sie mehr reproduktiv tätig, griff frühere Modelle auf und kombinierte sie mit neueren Arbeiten. So dekorierte sie z.B. die Skulpturengruppe „Gegenüber“ mit ihren Kleinplastiken „Pfauen“ und andere Figuren mit „Löwen“ oder Meditationsstelen mit „Eulen“. (aus: Christine Stadler. Leben und Werk. Bernhard-Theodor Wolf OSB)

„Meine Gedanken kreisten um das ewige Thema: Der Mensch ist auf ein „Du“ hin geschaffen und er sucht es ein Leben lang. Auf den Anderen hinhörten, zuhören können, setzt Liebe zum Anderen voraus. Im gegenseitigen „Zuhören“ vollzieht sich Begegnung, Beschenkung, Bereicherung zur Selbsterkenntnis und Selbstfindung und zur Befähigung zum wirklichen Dialog. Und so entstand die kleine Bronze „Gegenüber“. Menschen sitzen sich gegenüber. Die Bank, die die Welt symbolisiert, umschließt sie wie eine Mauer. Sie können nur voreinander fliehen, oder können versuchen, aufeinander einzugehen – in Liebe! Da beginnt der Dialog, der Dienst am Menschen, das wahre Leben. In anderen den Funken seines Schöpfers zu entdecken und ihn leuchten zu lassen, ist die Mühe eines ganzen Lebens wert.“ (Zitiert aus: Christine Stadler / Skulpturen, S. 52.)

10 . Elternhaus von Christine Stadler

Das sog. „Stadlerhaus“ am Pfarrhofweg 5 wurde von Georg und Christine Stadler im Jahre 1936 für 4.000 RM erworben und 1959 an Tochter Christine übergeben, die es später renovierte und ausbaute, nachdem sie in München schon ihr eigenes Atelier hatte.Christine Stadler wurde am 26. Oktober 1922 in Eggstätt geboren. Sie hatte drei jüngere Brüder. Ihr Vater war fahrender Musikant, ihre Mutter Köchin und Wäscherin.

Irgendeinmal im Religionsunterricht hat sie gehört, wie Gott den Adam erschaffen hat. Ihrem Vetter, Prof. Dr. Peter Stockmeier, verdanken wir die Information, dass sie danach am Dorfrand Lehm gesucht und ihren ersten Menschen nach dem Vorbild Gottes geformt hat. Ansonsten muss sie [Christine Stadler] nicht gerade ein Engel gewesen sein – nicht nur ihre Eltern nannten sie die ‚wilde Christl‘.“(aus: Christine Stadler. Leben und Werk. Berhard-Theodor Wolf OSB & Kreuz und Kreatur. Verlag Schnell & Steiner. Regensburg, 1996)

11 . Mosaik "St. Georg", Pfarrheim

Das große Wandmosaik zeigt den Heiligen Georg, wie er mit einer Lanze einen Drachen tötet.

12 . Auferstandener, gemeindlicher Friedhof

Die jugendliche Gestalt mit dem weiten Gewand, das die breite Brust mit ihrer Wunde offen lässt, das Hoheitsvolle Antlitz vor dem Kreuznimbus künden von dem großartigen Sieg des Lebens. Die rechte Hand Christi weist nach oben und segnet, die linke zeigt auf die Brust und bekundet: Ich bin es, den ihr auf seinen irdischen Wegen begleitet habt und der die Welt überwunden hat. Fürchtet euch nicht.“ (Abt Dr. Odilo Lechner OSB in: Kreuz und Kreatur. Verlag Schnell & Steiner. Regensburg, 1996)

13 . Adam und Eva, Parkplatz Rathaus-Nord

Einen Teil der Schöpfungsgeschichte stellt diese anmutende Figur von Adam und Eva dar.

Der Stadler Rundweg zum Nachgehen

Daten

  • Startpunkt: Rathausplatz Eggstätt
  • Länge: 1,3 km
  • Höhenmeter: 0 m
  • Dauer: 0,20h

Einkehrmöglichkeiten

Die Staionen

1 „Vier Europäer“ (1975), Rathaus
2 „Hund & Katze“, Haus des Gastes
3 „Eulenfamilie“ (1995), Haus des Gastes
4 „Heilige Monika“, Bücherei
5 „Flamme“, Parkplatz Kirche
6 „Pietà“, Ambo und Kerzenhalter, Pfarrkirche St. Georg

7 „St. Georg“ (1993), kirchlicher Friedhof
8 Grabstelle von Christine Stadler, kirchlicher Friedhof
9 „Gegenüber mit Eulen“, Birner Garten
10 Elternhaus von Christine Stadler
11 Mosaik „St. Georg“, Pfarrheim
12 „Auferstandener“ (1987), gemeindlicher Friedhof
13 „Adam und Eva“, Parkplatz Rathaus-Nord